„Theorie – Macht – Sinn“ Veranstaltungsreihe zur Relevanz kritischer Wissenschaft (12.6. / 26.6. und 3.7.2018, Café Campusblick, VMP8)

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Der produktive Streit ist Motor einer gesell­schaftsverändernden Wissenschaft, die auf die Entwicklung einer humanen, demokra­tischen und gerechten Gesellschaft abzielt.

Die Bologna-Reform mit ihrer Verwertungs- und Ausbildungsorientierung war gegen die Errungenschaften von „68“ (Demokratisie­rung der Uni, kritischer Gesellschaftsbezug der Wis­sen­schaft) auch ein Angriff auf die Rahmen­bedingungen wissenschaftlichen Streits sowie von Theoriearbeit und
-bil­­dung insgesamt.

In letzter Zeit wird der Ruf nach mehr Theo­rie jedoch wieder stärker vernehmbar – auf Seiten der Studierenden und Lehrenden. Dieser Ruf hallt dabei in eine Zeit, in der ProfessorInnen, die sich explizit der Theo­rie­­bildung gewidmet haben, abgewickelt wer­­den, das Studium durch Leistungs­punkte, Noten und die Erlangung von (ver­meintlich) berufsgängigen Kompeten­zen bestimmt werden soll (Stichwort employ­ability) und die Unis weiterhin nicht ausfi­nan­ziert sind.

Interessegeleitete Theo­rie­­arbeit gilt dabei als zu teuer und uneffektiv.

Das neoliberale Dogma, die Gesellschaft könne nicht erkannt geschweige denn zum Besseren verändert werden, ist noch wirk­mächtig, mit der Folge, dass die Erarbeitung gesellschafts­theoretischer Zusammenhänge im Studium nicht systematisch vorgesehen ist. Gerade diese braucht es aber, um mün­dig aus der Wissen­schaft in die aktuellen (Pro­blem-)Lagen eingrei­fen zu können.

Wir wollen zeigen, welches Potential zum anregenden Diskurs an der Fakultät schlum­mert und damit Lust auf und Leidenschaft an kritischer Gesellschaftstheorie und dem ge­mein­samen Eingreifen in die Verhältnisse wecken. Darauf aufbauend soll es um die Frage gehen, warum Theorie und kritische Wissen­schaft nötig sind und wie sie ver­stärkt und erneut an dieser Fakultät Einzug halten können.

Deshalb wollen wir uns in verschiedenen Veranstaltungen der Reihe „Theorie – Macht – Sinn“ mit Lehrenden dieser Fakul­tät in drei Veranstaltungen mit aktuellen bildungs- und erziehungswissenschaftlichen Fragestel­lungen, Konflikten und Herausfor­derun­gen streitbar auseinandersetzen.

Wir freuen uns auf Eure und Ihre Teil­nahme! Dienstag, 12. und 26. Juni und 3. Juli 2018 ab 18:30 Uhr im Café Campusblick, VMP 8


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Dienstag, 12.06.2018, 18:30 Uhr

Bildung – Transformation oder Welterschließung?
(Diskussion mit Sönke Ahrens und Hans-Christoph Koller)

Ausgehend von der geteilten Einschätzung, dass die gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart eine Neubestimmung des Bildungsbegriffes erfordern, sollen zwei unterschiedliche theoretische Ansätze miteinander kontrastiert werden. Gestritten wird um die Frage, ob eher eine Theorie transformatorischer Bildungsprozesse oder eine Theorie der Welterschließung geeignet ist, eine zukunftsweisende Neubestimmung des Bildungs­begriffes zu leisten.

Sönke Ahrens war bis April 2018 Vertretungsprofessor für Systematische Erziehungswissenschaft.

Hans-Christoph Koller ist Professor für Erziehungswissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Qualitativen Bildungsforschung und der Wissenschaftstheorie.

 

Dienstag, 26.06.2018, 18:30 Uhr

Zur Bildung des organischen Intellektuellen der Nachhaltigkeitsbewegung – Eine Skizze
(Diskussion mit Ingrid Lohmann)

Welche Bedeutung hat Bildung für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft, welche Aufgabe kommt ihr da­bei grundsätzlich zu? Die Referentin entfaltet eine Argumentationslinie, die aus einer historisch-materia­lis­tischen bildungstheoretischen Perspektive die aus unserer Produktionsweise entstandenen gegenwärtigen und künftigen Probleme in den Mittelpunkt rückt und auf den Entwurf einer Handlungsoption zielt. Sie setzt dazu beim Bildungsdenken der klassischen politischen Philosophie des Liberalismus an und aktualisiert es unter anderem mit Überlegungen Antonio Gramscis.

Ingrid Lohmann ist Professorin für Ideen- und Sozialgeschichte der Erziehung / Historische Bildungs­forschung.

 

Dienstag, 03.07.2018, 18:30 Uhr

Das Prinzip der Kritik im Studium der Pädagogik
Überlegungen gegen die Vereinnahmung eines Prinzips
und seine Bedeutung für Lehre und Studium
(Diskussion mit Lukas Eble und Moritz Schwerthelm)

Wenn wir uns über die Relevanz kritischer Wissenschaft in eine demokratische Diskussion und ggf. in einen pro­duk­tiven, solidarischen Streit begeben wollen, müssen wir zunächst die Frage klären, was denn Kritik bedeuten kann und in welchem Zusammenhang mit dem Prinzip der Kritik die Theoriearbeit im Studium steht. Dazu wollen wir uns der Frage nähern, welche Konstitutions­bedingungen und Merkmale Kritik kennzeichnen und welche Bedeutung Kritik für die Lehre in der Pädagogik sowie für das Studium der Pädagogik haben kann.

Nach einem kurzen einführenden Referat „Das Prinzip der Kritik im Studium der Pädagogik“ wollen wir in der Veranstaltung in ein gemeinsames (Streit-)Gespräch kommen: Welche Perspektiven auf und An­for­derungen an „kritische Wissenschaft“ und Lehre haben Studierende? Wie kann in die­sem Zusam­men­hang kritische Lehre in der Erziehungswissenschaft/Pädagogik angelegt sein? Welche Konsequen­zen ergeben sich aus den Über­legun­gen für ein Studium der Pädagogik und ihrer Arbeitsfelder?

Lukas Eble ist wissenschaftlicher Mitarbeiter (Lehre) am Fachbereich 3 Erwachsenenbildung.

Moritz Schwerthelm ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich 2 Sozialpädagogik.

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