Aufruf zum Boykott des CHE-Hochschulrankings

In den letzten Tagen haben einige Studierende einen Brief von der Universität Hamburg erhalten, in dem sie gebeten werden, online an der Bewertung ihrer Uni für das Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) teilzunehmen.

Das CHE-Hochschulranking wird jedes Jahr in der ZEIT veröffentlicht. Es gibt sich den Anschein als würde es ähnlich einer Art „Stiftung Warentest“ das Angebot der einzelnen Hochschulen kritisch prüfen und so die angehenden Studierenden mit Kriterien für ihre Hochschulwahl versorgen. Klingt erst einmal ganz harmlos, aber in Wahrheit stecken ganz andere Absichten dahinter.

Das CHE-Ranking ist alles andere als unabhängig und neutral, sondern vielmehr ein Werkzeug zur marktradikalen Transformation der Hochschulen aus dem Hause Bertelsmann. Durch die Rankings soll ein Wettbewerb zwischen den Hochschulen forciert werden, in dem die Universitäten in gegenseitige Konkurrenz um Studierendenzahlen und Mittelzuweisungen treten. Z.B. wünscht das CHE eine stärkere Wirtschaftsanbindung der Hochschulen und setzt daher die Höhe des Drittmittelaufkommens als Qualitätsmerkmal. Tatsächlich aber ist die Höhe der notwendigen Drittmittel vor allem Ausdruck mangelnder staatlicher Finanzierung und mindert die Unabhängigkeit gesellschaftlich verantwortungsvoller Wissenschaft. Das CHE prüft also nicht, sondern bestimmt, was „Qualität“ sei.

Abgesehen hiervon ist die Datengrundlage dieser Rankings mehr als zweifelhaft. So reichen für einen einzelnen Studiengang an einer Universität 15 Studierendenbewertungen, damit die entsprechende Hochschule im Ranking auftaucht. Das Ranking wird zum groben Unfug, wenn der Rangplatz der eigenen Universität zum Handlungsziel des Bewertenden wird. Wer noch nicht selbst darauf gekommen ist, dem wird dezent mit Hinweisen zum Bewertungsverhalten nachgeholfen. So weist zum Beispiel die Berufsakademie Mannheim ihre Studierenden darauf hin, dass ein positives Abscheiden der eigenen Hochschule für sie die Chancen auf dem späteren Arbeitsmarkt verbessere.

Des weiteren machen sich solche Rankings selbst immun gegen Kritik. Das ist das Tolle an ihnen. Wer ganz unten steht und kritisiert, gilt als schlechter Verlierer. Wer das Glück hatte obere Rangplätze zu belegen, wird sich hüten diesen abzuwerten, sondern versuchen aus dem guten Abschneiden einen Vorteil zu ziehen.

Real sind zwar nicht die Ergebnisse der Rankings, aber ihre Folgen. Nimmt eine Universität erst einmal einen niedrigen Rangplatz ein, verschlechtert sich ihr Ruf, was zur Folge hat, dass Forschungsmittel und Lehrkapazitäten reduziert werden. Folglich tritt das ein, was die Rankings vorgeben abzubilden. Anstelle Fakten festzustellen, werden Fakten geschaffen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass eine Hochschullandschaft entsteht, in der es wenige prestigeträchtige „Elite-Unis“ und viele Massenuniversitäten gibt.

Inzwischen sind zahlreiche Fachbereiche, Fakultäten und sogar ganze Universitäten (Universität Siegen, Uni Bonn) aus dem CHE-Hochschulranking ausgestiegen. Es ist zu wünschen, dass die Universität Hamburg diesem Beispiel folgen wird. Für eine Verbesserung des Hochschulwesens hilft kein Wettbewerb, sondern Solidarität. Alle in der Wissenschaft Tätigen – unabhängig von Statusgruppe oder Ort – müssen gemeinsam für bessere Bedingungen für Bildung und Wissenschaft kämpfen.

Die Fachschaftsräte Erziehungswissenschaft rufen euch hiermit dazu auf, das CHE-Hochschulranking zu boykottieren und an der Befragung nicht teilzunehmen.

Links zu mehr Informationen über das CHE, den Bertelsmann Konzern und die Bertelsmann Stiftung:

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